Lebensthemen Coaching
…Als Kind ist man – vor allem in den ersten Lebensjahren – völlig abhängig von den Eltern. Diese bestimmen in großem Maß die Möglichkeiten der Person, sich zu entfalten und Konflikte zu bewältigen. Und zwar durch direkte und indirekte Botschaften, durch Verbote und vor allem durch die mit ihnen gemachten Erfahrungen. Und diese Strategien prägen sich ein, weil sie sich gut bewährt haben. Als Erwachsener sind uns diese frühen Überlebensstrategien in Fleisch und Blut übergegangen. Wir müssen nicht mehr daran denken oder uns erinnern. Unser Autopilot steuert unbewusst unser Verhalten in den alten Bahnen, wenn eine für uns kritische Situation auftaucht.
Was sind die häufigsten Lebensthemen?
Lebensthemen können sich beruflich oder privat zeigen, manchmal auch in beiden Bereichen. Es sind immer Denk- und Verhaltensweisen, die Ihnen Stress verursachen.
Sie wissen, dass diese Sie jetzt nicht weiterbringen – aber Sie sie können diese Muster nicht einfach ändern. Die meisten Menschen haben mehrere Lebensthemen, die sich manchmal auf ungute Weise ergänzen. Die wichtigsten nach meiner Erfahrung sind:
1. Nicht existieren dürfen.
Im Job tun Sie Ihre Arbeit, wollen aber nicht auffallen. Über Ihre Fähigkeiten und Erfolge sprechen Sie nicht. Sie denken oft, dass es für andere besser wäre, wenn Sie nicht da wären. Wenn jemand Sie anrempelt, entschuldigen Sie sich.
2. Nicht wichtig sein.
In Meetings trauen Sie sich nicht, Ideen oder Vorschläge zu machen. Ihren Geburtstag zu feiern ist Ihnen unangenehm. Sie werden oft übersehen oder übergangen.
3. Nicht dazu gehören.
Im Job fühlen Sie sich oft als Außenseiter und vermeiden auch, Kontakte zum knüpfen oder zu pflegen. In Gruppen fühlen Sie sich schnell ausgeschlossen. Überhaupt haben Sie oft ein Fremdheitsgefühl, egal wo Sie sind und mit wem Sie sind. Am besten geht es Ihnen noch, wenn Sie allein sind, aber das macht Sie auch etwas traurig.
4. Nicht erfolgreich sein dürfen.
Obwohl Ihre Chefin Ihnen eine attraktive höhere Position anbietet, können Sie sich nicht dafür entscheiden. Sie könnten mehr Geld verdienen, bleiben aber in der alten Firma oder trauen sich dort nicht, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Sie halten eher geheim, was Ihr Beitrag zu dem Projekt war oder spielen Ihre Leistung herunter, weil Sie Angst vor dem Neid anderer haben.
5. Nicht normal sein dürfen.
Mit dem Erreichten sind Sie nie zufrieden, weil Sie sich ständig mit anderen vergleichen, die mehr aus ihrem Leben gemacht haben. Kritik können Sie schlecht vertragen, nehmen das lange übel und haben Rachephantasien. Vieles glückt Ihnen ganz leicht aber Sie sind empört, wenn es mal nicht so glatt läuft und Sie sich anstrengen müssten.
6. Nicht gut für sich sorgen.
Im Job geben Sie alles und übersehen körperliche und psychische Warnsignale, dass auch Sie Grenzen haben. Für andere haben Sie immer ein offenes Ohr und genug Zeit und Energie, sich um sie zu kümmern. Nur was Sie selbst brauchen und dafür zu sorgen, dass Sie es bekommen, fällt Ihnen schwer. Doch wenn man Ihnen Unterstützung anbietet, lehnen Sie sie oft reflexartig ab.
7. Nicht zufrieden sein dürfen.
Obwohl Sie im Job viel erreicht haben, wollen Sie weiter nach oben. Sind Sie dort angekommen, wollen Sie noch weiter. Sie fühlen sich oft getrieben, wissen aber gar nicht genau, was Sie treibt – und wohin. Sie haben das nagende Gefühl, etwas beweisen zu müssen.
8. Nicht erwachsen sein.
Im Job nimmt man Sie oft nicht ernst und es gelingt Ihnen nicht gut, sich Gehör zu verschaffen. Sie wirken deutlich jünger als Sie sind und fühlen sich auch so. Hadern zuweilen mit den Umständen oder dem Leben. Sie wissen oft nicht, was Sie wollen oder wenn Sie es wissen, handeln Sie nicht entsprechend. Wichtiges schieben Sie auf.
9. Nicht aggressiv sein dürfen.
Im Job sind Sie immer nett, freundlich und hilfsbereit, werden aber ausgenutzt und nicht wirklich respektiert. Nein sagen und mögliche Konflikte bereiten Ihnen großes Unbehagen. Sie wollen auf keinen Fall egoistisch sein. Menschen, die sich durchsetzen können, werten Sie innerlich ab, obwohl Sie sie heimlich bewundern.
10. Nicht besser sein dürfen.
Im Job vermeiden Sie Konkurrenz- und Wettbewerbssituationen, finden das „primitiv“. Sie bleiben konsequent unter Ihren Möglichkeiten, intellektuell, finanziell oder im Ausschöpfen von Chancen. Sie neigen zu Schuldgefühlen, auch wenn Sie in einer Situation gar nichts gemacht haben.
11. Nicht schwach sein dürfen.
Im Job sind Sie kein guter Teamplayer, weil Sie alles lieber allein machen. Sie fragen nie um Hilfe oder Rat, auch wenn Sie feststecken. Selbst wenn man Ihnen Hilfe anbietet, lehnen Sie reflexhaft ab. Sie vermeiden es, sich abhängig zu machen oder zu fühlen, auch wenn sie sich manchmal einsam fühlen.
12. Nicht fühlen dürfen.
Im Job schätzt man Ihre Sachlichkeit, vermisst bei Ihnen aber Empathie und eine gewisse Lockerheit. Sie tendieren zu Daten und Fakten, zu Entweder-Oder-Denken. Das Ungefähre, Mehrdeutige liegt Ihnen nicht. Sie funktionieren perfekt aber manchmal vermissen Sie etwas im Leben ohne es gut benennen zu können.
Das Kind in Ihnen musste psychische Überlebensstrategien entwickeln. Die stehen Ihnen als Erwachsener oft im Wege.
Wie entstehen Lebensthemen?
Fast jeder hat in Kindheit und Jugend schwierige Situationen erlebt und lernen müssen, damit fertigzuwerden. Zu den prägendsten Ereignissen gehören:
Frühe Trennungen durch längere Klinikaufenthalte, Fremdbetreuung, Kinderheim-Aufenthalte, Trennung der Eltern.
Daraus resultieren oft starke Verlassenheitsängste, die in erwachsenen Beziehungen wieder ausgelöst werden können.
Krankheit eines Elternteils Egal ob Drogensucht, Alkoholismus, Depression, Krebs. Das Kind lernt früh, Gedanken und Gesichter zu lesen, um auf entsprechende Anzeichen frühzeitig reagieren zu können.
Missbrauch und Schläge Sexueller oder emotionaler Missbrauch hat immer schlimme Folgen. Vor allem weil solche Traumata auch das Gehirn verändern. Bekommt ein Kind Schläge von einem Elternteil, lernt es früh, um was es in Beziehungen geht. Unterordnen und Angst aushalten oder dafür sorgen, dass andere einen fürchten.
Abwertungen, Beschämungen, ständige Kritik Ein geringes Selbstbewusstsein, nichts wert zu sein oder das ständige Gefühl, noch etwas beweisen zu müssen, sind hier oft die Folge.
Schwere Krankheit oder Behinderung eines Geschwisters. Das gesunde Kind steht fast immer im Schatten. Einfach weil die ganze Aufmerksamkeit der Eltern verständlicherweise dem Sorgenkind gilt. Oft entwickelt es auch Schuldgefühle, dass es gesund ist. Und sorgt im erwachsenen Leben unbewusst dafür, dass es ihm nicht zu gut geht.
Als müsste es etwas ausgleichen oder wiedergutmachen.
Tod eines Elternteils oder Verwandten Stirbt jemand und redet man nicht immer wieder mit dem Kind suchen Kinder nach einem Grund. Und mit ihrem magischen Denken finden sie den Grund letztlich bei sich. Ereignisse, die einen in Kindheit und Jugend beeinflussen – und auch nicht nur negative. Dazu zählen der Platz in der Geschwisterreihe, Erfahrungen in der Schule, das emotionale Klima in der Familie, die Beziehung und Kommunikation der Eltern untereinander usw. Wir tendieren dazu, unbewusste Kindheitserfahrungen im Erwachsenenleben zu reinszenieren.
• Im Beruf mit Vorgesetzten, wenn wir diese als mächtige Autorität erleben wie damals die Eltern.
• Im Beruf mit Kollegen, weil uns der Umgang mit ihnen an Konflikte und Rivalitäten mit den Geschwistern erinnern.
• Privat mit dem Partner, weil wir das Beziehungsmodell der Eltern entweder unbewusst wiederholen oder es besser machen wollen.
Manchmal fällt einem hinterher auf, dass man unangemessen, eben nicht erwachsen, auf etwas reagiert hat. Frühere prägende Situationen und unsere Reaktionen darauf, sind zu unserem Lebensthema geworden. Es hilft, zu reflektieren, wie man die Situation wahrgenommen und interpretiert hat. Oft kommt man darauf, dass man sich ähnlich fühlte wie in einer früheren Situation als Kind. Das allein zu erkennen ist schon hilfreich. Denn es macht uns klar, dass die äußere Situation, die Bemerkung des anderen, das Verhalten des Chefs, die schlechte Laune des Kunden oder die Kritik des Partners nur Auslöser für unsere Reaktion war, nicht Ursache.
Wie man Lebensthemen identifizieren und klären kann.
Die Erfahrungen, die zu einem Lebensthema geführt haben, wurden in der Regel vergessen oder verdrängt. Deswegen ist das nicht so leicht. Der Mensch hat ja eine Strategie gefunden, die den Schmerz mindert. Das Lebensthema wurde zur Lebensdevise:
• „Ich bin eben ein rationaler Mensch.“
• „Ich muss mich nicht im Mittelpunkt stehen.“
• „Das Bessere ist der Feind des Guten.“
• „Ich mag es, wenn die Dinge perfekt sind.“
• „Ich war schon immer ein Pechvogel.“
• „Am Ende bin immer ich schuld.“
• usw.
Will man das Lebensthema aufspüren, reichen Nachdenken oder Darüberreden meist nicht aus. Denn wir müssen ja tief genug an jene abgespaltenen Erinnerungen herankommen.
Dafür braucht es eine achtsame Begleitung und den Kontakt zu den verdrängten Emotionen.
Dein Lebensthema – das unsichtbare Drehbuch deines Lebens
Vielleicht hast du manchmal das Gefühl, dass sich bestimmte Situationen in deinem Leben wiederholen – egal wie sehr du dich bemühst, etwas zu verändern. Genau darum geht es bei sogenannten *Lebensthemen*. Sie sind wie ein unsichtbares Drehbuch, das im Hintergrund läuft und dein Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst – ohne dass du es bewusst merkst.
Ein Lebensthema ist meist in deiner Kindheit entstanden. Damals hast du – oft aus purer Not – eine Strategie entwickelt, um mit schwierigen Gefühlen oder Erfahrungen umzugehen. Diese Strategien haben dir als Kind geholfen zu überleben und dich sicher zu fühlen. Als Erwachsener steuerst du damit aber manchmal unbewusst an dem vorbei, was du dir heute wünschst. Dann übernimmt dein innerer Autopilot und du reagierst wie früher – obwohl du längst erwachsen bist.
Typische Lebensthemen und wie sie aussehen können
Lebensthemen zeigen sich überall – im Beruf, in Beziehungen oder im Umgang mit dir selbst. Sie machen sich vor allem dann bemerkbar, wenn du innerlich unter Druck gerätst oder dich blockiert fühlst. Vielleicht erkennst du dich in einem oder mehreren der folgenden Beispiele wieder:
– Nicht existieren dürfen: Du hältst dich lieber im Hintergrund, vermeidest Aufmerksamkeit und entschuldigst dich oft – selbst, wenn du nichts falsch gemacht hast.
– Nicht wichtig sein: Du traust dich selten, deine Meinung zu sagen, und wirst häufig übersehen.
– Nicht dazugehören: Du fühlst dich in Gruppen fremd und ziehst dich lieber zurück, auch wenn dich das traurig macht.
– Nicht erfolgreich sein dürfen: Chancen nutzt du nicht, aus Angst vor Neid oder Ablehnung.
– Nicht normal sein dürfen: Du vergleichst dich ständig mit anderen und bist selten zufrieden.
– Nicht gut für dich sorgen: Du kümmerst dich um alle – nur nicht um dich.– Nicht zufrieden sein dürfen: Du erreichst Ziele, aber innerlich treibt dich etwas weiter – ohne zu wissen, wohin.
– Nicht erwachsen sein: Du fühlst dich klein, unsicher, und schiebst Dinge auf.
– Nicht aggressiv sein dürfen: Du willst es allen recht machen, vermeidest Konflikte und sagst selten Nein.
– Nicht besser sein dürfen: Du bleibst unter deinen Möglichkeiten und bekommst leicht Schuldgefühle.
– Nicht schwach sein dürfen: Du machst alles alleine – Hilfe anzunehmen fällt dir schwer.
– Nicht fühlen dürfen: Du funktionierst hervorragend, aber es fehlt dir an Lebendigkeit oder Nähe.
Hinter all diesen Mustern steckt das Kind in dir, das irgendwann entschieden hat: So überlebe ich.
Wie Lebensthemen entstehen
Kein Mensch wächst ohne Verletzungen auf. Vielleicht waren deine Eltern überfordert, krank, abwesend oder einfach emotional nicht erreichbar. Vielleicht gab es Trennungen, Krankheiten, Gewalt, Beschämung oder Verluste. Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren und prägen, wie du später auf die Welt schaust.
Kinder interpretieren das, was sie erleben, immer auf sich selbst bezogen. „Ich bin schuld“, „Ich bin nicht gut genug“, „Ich darf mich nicht zeigen“ – solche unbewussten Glaubenssätze formen unsere Lebensthemen. Und sie tauchen später wieder auf:
– im Job, wenn dich Autoritätspersonen an deine Eltern erinnern,
– in Beziehungen, wenn alte Ängste getriggert werden,
– oder in Momenten, in denen du dich klein, überfordert oder übersehen fühlst.
Sich das bewusst zu machen, ist der erste Schritt zur Veränderung. Denn dann beginnst du zu erkennen: Nicht die Situation *heute* ist das Problem – sie weckt nur ein altes Gefühl von *damals*.
Wie du dein Lebensthema entdecken kannst
Lebensthemen liegen oft tief verborgen – geschützt von Strategien, die dich einst vor Schmerz bewahrt haben. Du erkennst sie selten durch reines Nachdenken. Häufig braucht es dafür Achtsamkeit, Innenschau oder eine einfühlsame Begleitung.
Typische Sätze, die auf ein Lebensthema hinweisen können, sind zum Beispiel:
– „Ich bin eben so.“
– „Ich will keinen Streit.“
– „Ich darf keine Schwäche zeigen.“
– „Ich muss alles perfekt machen.“
Wenn du merkst, dass solche Sätze dein Leben bestimmen, lohnt sich der Blick dahinter. Denn dort wartet meist nicht Schwäche, sondern die Geschichte deines inneren Kindes – und die Chance, dich heute neu zu entscheiden.